Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung der Bürgerstiftung    Stationäres Hospiz Hann. Münden e.V.

 

am Donnerstag, dem 13. Oktober 2016 in der unteren Halle des Rathauses Hann. Münden

TOP 1 Eröffnung der Jahreshauptversammlung durch den Vorsitzenden Herrn Prof. Quellhorst um 19:10 Uhr.
Er begrüßt die Anwesenden und als besonderen Gast Herrn Prof. Dr.med. Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, der vortragen wird über

„Ethische Herausforderungen in der Palliativversorgung“.

Die Stadt Hann. Münden hatte freundlicherweise die Rathaushalle zur Verfügung gestellt. Der stellvertretende Bürgermeister Herr Günter Fraatz begrüßte die Teilnehmer, bat um Spenden sowie Mitarbeit und würdigte die Arbeit im und am Hospiz im Namen der Stadt.

Im Mittelpunkt des Vortrages von Prof. Nauck stand das Verhältnis zwischen Arzt und Patient in dessen letzten Lebensphasen. In Würde und Selbstbestimmung zu sterben sollte jedem Patienten ermöglicht werden und es sollten unnötige oder nicht selbst gewollte Maßnahmen am Lebensende unterbleiben. Aber: Wie soll die Entscheidung eines Menschen über möglicherweise lebensrettende medizinische Maßnahmen am Lebensende oder in lebensbedrohenden Situationen festgestellt werden können, wenn er selbst nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu äußern? In kritischen Situationen das Patiententestament zu finden, stellt oftmals noch das geringste Problem dar: schwieriger ist es für Ärzte und deren Mitarbeiter, den tatsächlichen Willen des Patienten „herauszulesen“!
Aus der Tatsache, das 380 verschiedenen Versionen eines „Patienten- Testamentes“ existieren, ist erkennbar, dass keines der Idealvorstellung nachkommt. Viele Menschen sind sich nicht im Klaren, welche Therapien sie im Notfall wünschen oder ablehnen, weil sie sie nicht kennen. Zudem hat der Bundesgerichtshof in einer jüngst veröffentlichen Entscheidung festgestellt, dass ein Patiententestament nur dann von bindender Wirkung ist, wenn ihm „konkrete Entscheidungen über bestimmte, noch nicht unmittelbar bevorstehende ärztliche Maßnehmen“ entnommen werden können. Es reicht also nicht, in seinem Patienten-Testament „lebensverlängernde Maßnahmen“ abzulehnen. Der sein Patiententestament abfassende Mensch wird also genötigt, seine Entscheidungen über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zu fällen, die er gar nicht kennt! Hier setzt die Bedeutung eines Vorsorge- Bevollmächtigten ein, der beizeiten bestellt und mit dem alle Einzelheiten eingehend besprochen werden sollten. Der Bevollmächtigte, meist ein Angehöriger oder eine nahestehende Person, können als Vertreter die Wünsche der Betroffenen darlegen und darauf achten, dass diese auch befolgt werden.
Eine lebhafte Diskussion schloss sich an, in der klar wurde, wie schwierig es ist, den Willen über die Behandlung am Lebensende zum Ausdruck zu bringen.

Nach dem Vortrag und dem Dank an Herrn Professor Nauck ihn begann um 20:35 Uhr die eigentliche Mitgliederversammlung mit

TOP 2 Das Protokoll der Hauptversammlung vom 27.10. 2015 wurde gebilligt.

TOP 3 Der Bericht des Vorsitzenden folgt:

Auch im sechsten Jahr seines Bestehens findet das Hospiz Hann. Münden weiterhin eine stete Akzeptanz durch die Bürger der Stadt was sich in einer durchgehenden Belegung von etwa 80% zeigt. Die bisherige Leiterin des Hospizes, Frau Manuela Brandt- Durlach hat aus persönlichen Gründen ihren Dienst am 28.02.2016 beendet, Frau Steffani Vasiljevic ist ab dem 1.3.2016 an ihre Stelle getreten. Der Vorstand der Bürgerstiftung hat sie begrüßt und ihr Glück und Erfolg bei ihrer Tätigkeit gewünscht. Die Zusammenarbeit zwischen Hospiz- Leitung bzw. -Verwaltung und Bürgerstiftung läuft reibungslos, was sich immer wieder auch in den etwa vierteljährlichen Treffen von Vorstand der Bürgerstiftung und Leitung sowie Verwaltung des Hospizes zeigt.
Auch im Berichtsjahr hat sich die Anzahl der Mitglieder erfreulich entwickelt, immerhin haben sich insgesamt 416 Bürger aus Stadt und Umland zu einer Mitgliedschaft entschlossen. Mit ihren Beiträgen und Spenden finanzieren sie den durch Zuwendung der Kranken- und Pflegekassen nicht gedeckten Anteil von 5% der Unterbringungskosten, der jährlich etwa 70.000 Euro ausmacht. Darüber hinaus finanzieren wir seitens der Bürgerstiftung auch Dinge, die nicht in den Bereich der „Öffentlichen Hand“ fallen.
Als Beispiel hierfür sei die Errichtung eines Pavillons im Hospizgarten genannt, in dem Patienten und deren Angehörige die in diesem Jahr nicht seltenen Regenperioden überstehen konnten. Für Bodenplatte und Holz für den Bau wurden von der Bürgerstiftung über 10.000 ausgegeben, die Errichtung übernahmen dankenswerterweise Schüler der Berufsbildenden Schulen Hann. Münden. Der Garten des Hospizes wird weiterhin durch ein ehrenamtliches Mitglied der Bürgerstiftung versorgt, die „Grundreinigung“ erfolgt allerdings durch einen professionellen Betrieb, der von der Bürgerstiftung beauftragt ist und für seine Tätigkeit am Hospiz finanziert wird.
Dankbar zu erwähnen sind auch im Berichtsjahr wieder Spender, die auf Geburtstagsgeschenke und Zuwendungen zu sonstigen Familien- Feierlichkeiten zu Gunsten einer Spende für die Bürgerstiftung verzichtet haben. Zu verzeichnen waren hier Spenden von teilweise über 1000 Euro.
In diesem Jahre wird zum siebten Male in Folge von einer Künstlergruppe aus Hann. Münden und Göttingen der Kalender „Kunstpassagen“ herausgebracht und zum Preise von 12 Euro zu Gunsten der Bürgerstiftung Stationäres Hospiz Hann. Münden und- in diesem Jahre erstmalig- auch in Göttingen von dem Förderverein für das Palliativzentrum der Universitätsmedizin Göttingen veräußert wird.

Malerinnen und Maler aus Hann. Münden und Göttingen haben ihre Bilder Wiederum für den Kalender unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Es sind dies aus Hann. Münden die Damen Sigrid Bauck, Gisela Bogumil, Barbara Engelhardt, Anja Fehrensen, Petra Graser, Renate Quellhorst, Christa Schilling und Uschi Senff sowie die Herren Johannes Eichhorn und Peter Fellenberg. Aus Göttingen sind es die Damen Carola Bodenstein, Gisela Hyllus und Gabi Schreiber-Jähnig sowie die Herren Harald Kropp und Andreas Lemberg. Ich nenne diese Damen und Herren, weil es durchaus nicht selbstverständlich ist, die Kunstwerke zur Verfügung zu stellen! Jährlich kommen so Einnahmen zu Gunsten der Bürgerstiftung in Höhe von etwa 12.000 Euro zustande. Wir sollten den Künstlerinnen und Künstlern mit einem kräftigen Applaus danken!
In diesem Jahre hat der Verkauf der Kalender sehr vielversprechend begonnen. „Restbestände“ können am Ende der MGV noch erworben werden.
Gestatten Sie mir zum Schluss noch eine Bemerkung, die in eindrucksvoller Weise die Bedeutung der Hospiz- Idee unterstreicht. Vor einigen Tagen erschien in der Presse ein Bericht über eine 91-jährige Frau, die, an weit fortgeschrittenem Krebs erkrankt, eine Weltreise von 21.000 Kilometern unternahm und bis zu ihrem Tode von einem Hospiz-Team begleitet wurde. Getreu dem Motto von Sicely Saunders, der „Mutter“ der Hospiz-Idee:

„Nicht dem Leben mehr Tage schenken, sondern den Tagen mehr Leben“.

TOP 4 Bericht des Schatzmeisters Frau Baumgärtel (alle Geldbeträge in €):

Der Verkauf des K u n st k a l e n d e r s 2015 erbrachte 15.311.-. Der Druck kostete 3.367,70, so verblieben 11.943,30 als Überschuss. ( 2014: 12.332,90).
Das H o s p i z erhielt 2015 an Spenden 38.840,56 (2014: 48.038).
Die B ü r g e r s t i f t u n g dankt für Spenden in Höhe von 22.316,66 (2014: 16.717,20).
An B e i t r ä g e n gingen ein: 8.277.(2014: 7.646,48).
Verwaltungsko sten (Druck, Porto usw.) 1.824,21
B a n k g u t h a b e n SPK Giro +Festgeld ) 45.272,11.

Beim Wechsel der Bankverbindung bittet Frau Baumgärtel um Mitteilung an sie. Von erloschenen Konten kann man keine Beiträge einziehen. Der Aufwand für Rücklastschriften ist erheblich und bei gutem Willen vermeidbar. Sie bittet um die Hilfe der Mitglieder.

Herr Przykopanski (AWO) spricht Bürgerstiftung und allen Mitarbeitern seinen Dank aus.

TOP 5 Die Kassenprüfung erfolgte am 16. Februar 2016 durch Frau Stöbener und Herrn Buchwald. Dieser berichtete über die ordnungsgemäße Kassenführung. Der Vorsitzende dankt allen. Herr Buchwald wird turnusgemäß ausscheiden.

TOP 6 Es meldete sich niemand zur Aussprache.

TOP 7 Die Entlastung des Vorstandes und der Kassenprüfer beantragte Herr von Luckwald. Sie wurde, bei Enthaltung der Betroffenen, einstimmig gebilligt.

TOP 8 Neuwahlen des gesamten Vorstandes und Zuwahl eines Kassenprüfers. Frau Kiefer hat sich bereit erklärt, die Kasse in den nächsten 2 Jahren zu prüfen. Sie ist bereit und wird gewählt, Dank sei ihr!
Alle 3 Jahre haben Neuwahlen zu erfolgen. Herr Professor Quellhorst tritt von seinem Amt als erster Vorsitzender zurück. Gewählt wird Herr Superintendent Thomas Henning für diese Funktion. Herr Quellhorst wird zweiter, die Herren haben praktisch getauscht.

Herzliche Dankesworte werden dem scheidenden Vorsitzenden von seinem Nachfolger gewidmet. –
Herr Professor Quellhorst hatte die Idee ein Hospiz in unserer Stadt einzurichten. Dank seiner Tatkraft und mit beharrlichem Fleiß haben wir jetzt ein funktionierendes Hospiz, das mannigfache Hilfen bietet. Mit Glück, geschickten Verhandlungen und einer großen Zahl von fördernden Mitbürgern ist dieses damals noch so ferne Ziel erreicht worden.

Herr Henning leitete die Neuwahl. Vorschläge gab es keine, so wurde der seitherige Vorstand wieder berufen (einstimmig, bei Enthaltung der Betroffenen).

Gewählt wurde Superintendent Thomas Henning zum Vorsitzenden, Stellvertreter wurde Prof. Dr.med. Eduard Quellhorst. Der übrige Vorstand blieb unverändert: Elke Baumgärtel als Schatzmeisterin, Dr. Klaus Olischläger als Schriftführer und die Herren Ulrich Görnandt und Dr. Wolfgang Hesse als Beisitzer.

TOP 9 Verschiedenes. Es folgte der Aufruf man möge Kalander kaufen und so das Hospiz fördern. Die Versammlung schloss um 21 :10 mit Dank für die Teilnahme und guten Wünschen für den Heimweg!